Ab 20. Mai 2026 melden Airbnb, Booking.com und Expedia Group deine Buchungsdaten monatlich an die Bundesnetzagentur — Anzahl Nächte, Einnahmen, Adresse. Wer in einer Gemeinde mit Registrierungspflicht ohne gültige Nummer inseriert, riskiert Plattform-Deaktivierung. Das ist kein Zukunftsszenario, das ist geltendes EU-Recht.
Was passiert ist
Die Verordnung (EU) 2024/1028 wurde am 11. April 2024 verabschiedet. Seit Mai 2024 ist sie in Kraft, ab 20. Mai 2026 gilt sie unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten — ohne dass Deutschland oder irgendein anderer Mitgliedstaat sie erst in nationales Recht umsetzen muss.
Was die Verordnung konkret regelt: Plattformen wie Airbnb, Booking.com und Expedia Group sind verpflichtet, Buchungsdaten monatlich an eine zentrale nationale Stelle zu übermitteln. In Deutschland ist das die Bundesnetzagentur. Gemeldet werden Anzahl der Nächte, erzielte Einnahmen und die Adresse der Unterkunft — für jede einzelne Einheit, jeden Monat.
Gleichzeitig führt die Verordnung eine Registrierungspflicht ein. Hier ist ein wichtiger Punkt, den viele Artikel falsch darstellen: Die Registrierungspflicht greift nicht automatisch überall. Sie gilt nur dort, wo Kommunen ein entsprechendes Verfahren eingerichtet haben. Ohne kommunale Satzung besteht keine Pflicht zur Registrierungsnummer. Das bedeutet: Ob du eine Nummer brauchst, hängt davon ab, wo deine Einheiten liegen — nicht pauschal davon, dass du auf Airbnb inserierst.
Wo eine Registrierungspflicht besteht, gilt: Ohne gültige Nummer darf die Plattform dein Inserat deaktivieren. Bei drei oder mehr Einheiten bedeutet das keinen einzelnen ausgefallenen Gast — das bedeutet Buchungsstopp für dein gesamtes Portfolio in dieser Gemeinde.
Was dich das kostet — so konkret wie belegbar
Ich nenne dir keine Bußgeldsummen, die ich nicht belegen kann. Was ich dir sagen kann: Die Datenweitergabe an die Bundesnetzagentur hat zwei direkte Konsequenzen, die du kennen musst.
Erstens: Steuerliche Sichtbarkeit. Bisher waren Einnahmen aus Kurzzeitvermietung für Finanzämter schwer zu greifen. Ab Mai 2026 liegen monatliche Buchungsdaten — Einnahmen, Adresse, Nächte — bei einer Bundesbehörde. Der Abgleich mit deiner Steuererklärung ist damit keine Frage des Aufwands mehr, sondern eine Frage der Software. Wer bisher nicht vollständig gemeldet hat, sollte das mit seinem Steuerberater klären, bevor die Daten automatisch fließen.
Zweitens: Plattform-Deaktivierung. Das ist der unmittelbarste operative Schaden. Wenn deine Gemeinde eine Registrierungspflicht eingeführt hat und du keine gültige Nummer in deinem Inserat hast, kann Airbnb oder Booking.com dein Inserat ab Mai 2026 automatisiert deaktivieren. Nicht nach einer Mahnung. Nicht nach einer Frist. Automatisiert. Bei 16 Einheiten, die ich selbst betreibe, ist das kein abstraktes Risiko — das ist ein konkreter Umsatzausfall für jeden Tag, an dem das Inserat offline ist.
Wie hoch der Schaden ist, hängt von deiner Auslastung und deinen Preisen ab. Das kann ich dir nicht ausrechnen — das kannst du selbst.
Warum ich das ernst nehme — meine 16 Ferienwohnungen
Ich betreibe selbst 16 Ferienwohnungen. Ich bin also nicht derjenige, der dir erklärt, was theoretisch passieren könnte. Ich bin derjenige, der ab Mai 2026 für 16 Einheiten prüfen muss, ob in den jeweiligen Gemeinden eine Registrierungspflicht besteht — und wenn ja, 16 Nummern beantragen und 16 Inserate aktualisieren muss.
Was mich an dieser Verordnung beschäftigt, ist nicht die Verordnung selbst. Transparenz über Kurzzeitvermietung ist nachvollziehbar. Was mich beschäftigt, ist die operative Konsequenz für Mehrfach-Betreiber: Die Pflichten skalieren mit der Anzahl deiner Einheiten, der administrative Aufwand aber auch. Wer drei Einheiten in drei verschiedenen Gemeinden betreibt, hat möglicherweise drei verschiedene Registrierungsverfahren, drei verschiedene kommunale Satzungen und drei verschiedene Fristen.
Das ist kein Argument gegen die Verordnung. Das ist ein Argument dafür, es jetzt zu klären und nicht im April 2026.
Als Versicherungsexperte und Allianz-Agenturinhaber sehe ich noch eine zweite Dimension: Wenn deine Buchungsdaten monatlich bei der Bundesnetzagentur landen, ist das auch ein Moment, deine gesamte Dokumentation zu überprüfen. Sind deine Einheiten korrekt versichert? Ist die gewerbliche Nutzung in deiner Police abgebildet? Daten, die für Behörden sichtbar werden, machen auch Lücken in der Absicherung sichtbarer.
Was du jetzt tust — konkrete Schritte
Schritt 1: Prüfe, ob deine Gemeinde ein Registrierungsverfahren eingeführt hat.
Die Bundesnetzagentur ist die zentrale Stelle in Deutschland. Geh auf die Website der Bundesnetzagentur und prüfe den aktuellen Stand für jede Gemeinde, in der du Einheiten betreibst. Nicht für deine Hauptgemeinde — für jede einzelne.
Schritt 2: Beantrage die Registrierungsnummer rechtzeitig.
Wenn deine Gemeinde ein Verfahren eingerichtet hat, beantrage die Nummer jetzt — nicht im April 2026. Behörden sind keine Plattformen. Bearbeitungszeiten sind nicht vorhersehbar, und eine fehlende Nummer kurz vor dem Stichtag ist ein selbst verursachtes Problem.
Schritt 3: Trage die Nummer in alle Plattform-Inserate ein.
Airbnb und Booking.com werden ab Mai 2026 automatisiert prüfen. Die Nummer muss im Inserat stehen, bevor die automatisierte Prüfung beginnt. Warte nicht darauf, dass die Plattform dich erinnert.
Schritt 4: Sprich mit deinem Steuerberater.
Die monatliche Datenweitergabe an die Bundesnetzagentur macht deine Einnahmen für Finanzbehörden strukturiert sichtbar. Wenn deine Steuererklärungen der letzten Jahre vollständig waren, ist das kein Problem. Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für das Gespräch — nicht nach Mai 2026.
FAQ
Gilt die Registrierungspflicht für alle Ferienwohnungen in Deutschland?
Nein. Die Registrierungspflicht greift nur dort, wo Kommunen ein entsprechendes Verfahren eingeführt haben. Ohne kommunale Satzung besteht keine Pflicht zur Registrierungsnummer. Du musst das für jede Gemeinde, in der du Einheiten betreibst, separat prüfen.
Was meldet Airbnb konkret an die Bundesnetzagentur?
Laut Verordnung (EU) 2024/1028 sind Plattformen verpflichtet, Buchungsdaten monatlich zu übermitteln — darunter Anzahl der Nächte, erzielte Einnahmen und die Adresse der Unterkunft. Die Meldung erfolgt für jede einzelne Einheit.
Was passiert, wenn ich keine Registrierungsnummer habe, obwohl meine Gemeinde eine verlangt?
Die Plattform darf dein Inserat deaktivieren. Das ist keine Kann-Regelung — Airbnb und Booking.com sind verpflichtet, die Nummern zu verifizieren. Ein deaktiviertes Inserat bedeutet Buchungsstopp, solange die Nummer fehlt.
Muss ich für jede Ferienwohnung eine eigene Nummer beantragen?
Ja. Die Registrierungspflicht gilt pro Einheit, nicht pro Betreiber. Wer mehrere Einheiten in einer Gemeinde mit Registrierungsverfahren betreibt, braucht für jede Einheit eine eigene Nummer.
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