Meine 16 Wohnungen · Folge 3: Mein teuerster Fehler hatte nichts mit Versicherung zu tun.

Die Gesellschaft, die wir selbst zerstört haben

Inhaltsübersicht

Wir haben eine Gesellschaft gegründet, ohne zu regeln, was passiert, wenn einer nicht mehr mitzieht. Das hat uns einen fünfstelligen Betrag direkt gekostet — und sechsstellige Umsätze, die nie entstanden sind. Keine Police der Welt hätte das verhindert. Das war ein Konstruktionsfehler, kein Versicherungsfall.


Der Moment

Wir waren drei. Ich kannte beide Partner. Die Rollen waren klar: einer kümmert sich um das Operative in den Einheiten, einer übernimmt die Gästekommunikation, ich mache Strukturen und Finanzen.

Was wir nicht gemacht haben: einen sauberen Gesellschaftsvertrag aufsetzen. Klare Zuständigkeiten auf dem Papier. Klare Anteilsverhältnisse. Und vor allem — eine Exit-Strategie.

Wir haben einfach angefangen. Weil wir uns kannten. Weil es am Anfang schnell gehen sollte. Weil man das ja unter Leuten, die sich vertrauen, nicht so formell angehen muss.

Dann hat ein Geschäftspartner nicht mehr abgeliefert.

Nicht dramatisch. Kein Betrug, kein Streit, kein großer Knall. Einfach: er hat nicht mehr geliefert. Und weil wir am Anfang keine klaren Vorgaben und keine Regelungen getroffen hatten, gab es keinen Hebel. Keine vertragliche Grundlage, auf der man hätte aufbauen können. Keine Eskalationsstufe, die greift.

Was dann passiert ist, war unvermeidlich: Die Gesellschaft war handlungsunfähig. Wir haben sie eingestampft. Alles wurde im Verhältnis aufgeteilt — und damit war es das.


Was es gekostet hat

Der direkte Schaden war fünfstellig. Die entgangenen Umsätze, die nie entstanden sind, weil die Gesellschaft nicht mehr funktioniert hat — sechsstellig.

Ich schreibe keine genauen Zahlen hin, weil das hier nicht der Punkt ist. Der Punkt ist die Größenordnung: Das war kein kleiner Fehler, den man wegsteckt. Das war ein Fehler, der wehtut. Lange.


Was meine Police wirklich gezahlt hat

Nichts. Und das ist keine Kritik an meiner Versicherung.

Gegen einen Gesellschafter, der nicht mehr liefert, versichert dich niemand. Das ist kein Schaden, den eine Police reguliert. Es gibt keine Betriebsunterbrechungsversicherung, die greift, wenn das Problem nicht ein Wasserschaden oder ein Brand ist, sondern ein Konstruktionsfehler in der eigenen Gesellschaftsstruktur.

Das ist der Unterschied, den die meisten nicht sehen: Versicherung reguliert Ereignisse. Sie reguliert keine Entscheidungen. Und die Entscheidung, ohne sauberen Gesellschaftsvertrag zu starten, war meine — beziehungsweise unsere.

Die meisten Erkenntnisse bekommt man erst dann, wenn der Schmerz groß genug ist. Das war mein Schmerz.


Was ich geändert habe

Nie wieder eine Gesellschaft so starten, wie ich diese GbR gestartet habe.

Das gilt unabhängig davon, ob die Partner Freunde sind, Bekannte oder Fremde. Gerade wenn man sich kennt, ist die Versuchung groß, das Formale zu überspringen. Das ist ein Fehler.

Heute gilt für mich: Jede Gesellschaft wird mit klaren Vorgaben gegründet. Nicht irgendwann, nicht wenn es nötig wird — sondern bevor die erste Wohnung vermietet wird.

Konkret heißt das:

Rollen schriftlich. Wer macht was — nicht als mündliche Absprache, sondern im Vertrag. Mit Konsequenzen, wenn jemand nicht liefert.

Anteile klar. Nicht ungefähr, nicht „wir schauen mal“. Exakt. Und geregelt, was passiert, wenn sich die Verhältnisse verschieben.

Exit-Strategie von Tag 1. Was passiert, wenn einer raus will? Was passiert, wenn einer nicht mehr kann? Was passiert, wenn einer nicht mehr will? Das muss geregelt sein, bevor es passiert — nicht danach.

Und der Fall, den keiner denken will: Was passiert, wenn ein Geschäftspartner stirbt? Das klingt morbide. Es ist es nicht. Es ist die einzige Frage, bei der du garantiert keine Zeit hast, sie im Nachhinein zu klären. Regle den Todesfall, bevor ihr die erste Buchung annehmt.


Und wo Versicherung sehr wohl leistet

Das hier war kein Versicherungsfall. Aber ich wäre unehrlich, wenn ich so täte, als würde das für alle Risiken gelten.

Bei mir nicht — aber bei unseren Kunden schon.

Ein Apartment, Wasserschaden. Das Objekt steht mehrere Wochen leer, das Inventar ist beschädigt. Die meisten Gastgeber denken in diesem Moment an den Sachschaden — was kaputt ist, was ersetzt werden muss. Was sie vergessen: Die Wochen, in denen keine Buchungen reinkommen, sind oft der größere Posten. In diesem Fall hat die Police knapp 9.000 Euro reguliert — inklusive des Ertragsausfalls. Vollständig.

Ein anderer Fall: Die Duschabtrennung in einer Unterkunft zerplatzt. Der Gast erleidet Schnittverletzungen. Das ist keine Sachschadengeschichte mehr — das ist Personenschaden. Und Personenschaden ist die existenzielle Kategorie. Ein Sachschaden kostet Geld. Ein Personenschaden kann dich als Gastgeber ruinieren, wenn die Haftung nicht sitzt. In diesem Fall war sie sauber aufgebaut — der Schaden wurde übernommen.

Beide Fälle haben nichts mit meiner GbR zu tun. Aber sie zeigen, worum es geht: Für manche Risiken gibt es keine Police. Umso wichtiger, dass die versicherbaren sauber sitzen.


Was das für dich heißt

Wenn du mit Partnern vermietest — oder es planst — dann sind das die vier Dinge, die du vor der ersten Buchung geregelt haben musst:

1. Gesellschaftsvertrag, nicht Handschlag. Egal wie gut ihr euch kennt. Gerade dann.

2. Rollen mit Konsequenzen. Nicht nur beschreiben, wer was macht — sondern festlegen, was passiert, wenn jemand es nicht macht.

3. Exit-Regelung schriftlich. Wie kommt jemand raus? Zu welchem Preis? Mit welcher Frist? Das muss stehen, bevor der erste Konflikt entsteht.

4. Todesfall regeln. Klingt hart. Ist es. Aber es ist die einzige Situation, in der du garantiert keine Zeit hast, es nachzuholen.

Das ist kein Versicherungsthema. Das ist ein Unternehmerthema. Und wer es überspringt, weil es am Anfang schnell gehen soll, zahlt irgendwann den Preis — so wie ich.

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Mustafa Nemat AliVersicherungsexperte & FeWo-BetreiberInhaber der Allianz Agentur Schwerin · 13 möblierte Apartments · Host des HostUp! Podcasts